Erzbistum Köln – Fastenaktion – Hungertuch 2019/2020

7. März 2019 Newsdesk/wey

Köln/Aachen. Das neue Misereor-Hungertuch stellt eine herausfordernde Frage: „Mensch, wo bist du?“. Zum Auftakt der Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor präsentierte der Künstler Uwe Appold am 6. März 2019 sein Werk im Rahmen des Aschermittwochs der Künstler in der Kölner Kunststation St. Peter und erklärte, was er sich bei der Gestaltung gedacht hat.

Hungertuch fordert zu Haltung auf

„Der Titel ‚Mensch, wo bist du?‘ stellt dem Betrachter die Frage: Wo befindest du dich? Welche Stellung nimmst du dazu ein? Sollen wir uns zum Beispiel seitens der Politik alles gefallen lassen? Es sagt, mach Feuer im Kessel! Fang an! Frag nach!“ sagt Appold. So schreibe er manchmal Briefe an Abgeordnete in denen er unbequeme Fragen stelle und tatsächlich erhalte er meistens Antworten.

Insgesamt gehe es darum Haltung einzunehmen: „Wir müssen uns bewusst machen, dass wir als Menschen Verantwortung für die Welt haben, ob wir Christen sind oder nicht. Bestimmte Dinge machen wir nicht mit und das nicht nur in der Fastenzeit sondern generell“. Er wolle, dass sein Kunstwerk Mut mache zu hoffen und auch dazu ermuntere, Dinge anzupacken.

Im Hungertuch: ein unfertiges Haus, Erde und Stolpersteine

Bei der Gestaltung des Kunstwerks hat Appold mehrere prägende Elemente verwendet. So befindet sich auf leuchtend blauem Grund unter anderem ein goldener Ring in dessen Zentrum ein unfertiges Haus zu erkennen ist. Damit erinnert der Künstler an „das gemeinsame Haus“, das Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“ beschreibt. Die Öffnung zeigt, dass die Menschheit daran bauen und Lösungen für die aktuellen Krisen finden muss. Erde aus dem Garten Gethsemane ragt wie eine Landzunge in das Bild hinein.

Die Erde aus Jerusalem erinnere ihn an mehrere Dinge, erklärt Appold: „An das Ostergeschenk, an die Jünger, die geschlafen haben. Aber die Erde erinnert auch daran, dass wir sorgsam mit ihr umzugehen haben.“ Zwölf Steine, die der Künstler in der Erde fand wurden eingearbeitet und stehen als eine Art Stolpersteine im Bild, an denen sich der Betrachter stößt und die Entscheidungen fordern.

Eine rot-blau gekleidete Gestalt hebt die Arme, betend, die Balance haltend. Sie bleibt im Hören dem goldenen Ring und Gott zugewandt und ist gleichzeitig unterwegs zu den Rändern. Das Christuszeichen IX ("I" für Jesus, "X" als griechisches "Ch" für Christus) zeigt ihr als Kompass die Richtung. Die Figur ist in Bewegung und hat die Möglichkeit etwas zu bewegen.

Vorstellung mit Pantomime und Orgelimprovisation

Das Hungertuch wurde am Aschermittwoch der Künstler in der Kunsstation St. Peter in Köln vorgestellt. Gerahmt wurde die Vorstellung des Hungertuchs von einer Performance des Pantomimen Milan Sladek, sowie Orgelimprovisationen von Dominik Sustek und Wolfgang Bretschneider.

Das Hungertuch von Uwe Appold wird auch am Sonntag, 10. März um 10 Uhr im Gottesdienst zur Eröffnung der diesjährigen Misereor-Fastenaktion „Mach was draus: Sei Zukunft“ im Kölner Dom zu sehen sein.

Künstler Uwe Appold

Uwe Appold (* 1942 in Wilhelmshaven) ist Designer, Bildhauer und Maler. Bis 2006 hatte er einen Lehrauftrag an der Werkkunstschule Flensburg und in Hangzhou/China. Er gestaltete zahlreiche öffentliche Plätze, Schulen, Gebäude, Kirchen und Industriearchitektur in Schleswig-Holstein und darüber hinaus. Seit 1962 stellt er regelmäßig im In- und Ausland aus, darunter auch bei der UNO in Genf und an Kirchentagen.

Uwe Appold setzt sich in seinen Bilderzyklen mit den existenziellen Erfahrungen des Menschen auseinander und spannt den Bogen seiner Themen von der Antike bis in die Gegenwart. Uwe Appold lebt in Flensburg.

Das Misereor-Hungertuch

Traditionell ist das Hungertuch ein zentraler Bestandteil der Fastenaktion des katholischen Hilfswerkes Misereor. In vielen katholischen Gemeinden deutschlandweit verhüllt das Hungertuch während der Fastenzeit das Kruzifix.

Alle zwei Jahre erscheint ein neues Hungertuch. Die Künstler stammen aus der ganzen Welt: 2017 aus Nigeria und 2015 aus China. Für Interessierte gibt es die Möglichkeit, das Hungertuch über Misereor zu beziehen.